Seit ihrer selbstveröffentlichten EP Archar im Jahr 2015 hat sich VERHEERER als feste Größe im deutschen Metal-Underground etabliert. Ihr Sound, irgendwo zwischen Black, Heavy und Death Metal, spiegelt die unbeständige, raue Natur der Stürme wider, die über die norddeutsche Küste fegen.
Die Gründungsmitglieder SMN (Gitarre) und BST (Gesang) – beide zuvor bei Ghoast aktiv – wurden später durch Bassist MYR (ex-Lafrontera, ex-Snowwhite) und Schlagzeuger KRZ (Praying Angel, Rotten Sculpture) ergänzt. Die Band hat ihren Stil kontinuierlich verfeinert und ist nun bereit, ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufzuschlagen und dabei musikalische Grenzen weiter auszuloten.
Ein von Erstem Weltkrieg inspiriertes Intro leitet über zu raspelnden Vocals, wütendem Drumming und schneidenden Riffs
Um die düstere Atmosphäre zu etablieren, beginnt das Album mit einem kurzen Intro, das an eine Schlacht des Ersten Weltkriegs erinnert. Der eigentliche Sturm bricht dann mit Urgewalt los: Keifender Gesang und donnerndes Schlagzeug erschaffen die typische Black-Metal-Wand aus Klang. Tremolo-Gitarren und schroffe Riffs begleiten die dissonanten Schreie. Ein ausgedehntes Gitarrensolo in einer unerwarteten Songpassage verleiht dem Stück zusätzlichen Charakter. Die rohe, ungeschliffene Komposition hinterlässt am Ende nichts als pure Aggression.
Urgewalt zeigt die technische Finesse der Band mit wütenden Gitarren und eindringlichem Gesang
Hail Mary hält die dissonante Klanglandschaft aufrecht, mit denselben schneidenden Vocals und unbarmherzig aggressiven Gitarren. Eine melodische Linie taucht sporadisch auf und verschwindet wieder, während die durchdringenden Gitarrenakkorde den Song prägen. Das komplexe, dynamische Arrangement unterstreicht die spielerische Präzision der Band – jedes Instrument entfaltet eine enorme Wirkung. Das Stück endet mit einem gesprochenen, poetischen Monolog. Mit über acht Minuten Spielzeit gehört es zu den längeren Songs des Albums, ist jedoch gleichzeitig eines der herausragenden Highlights.
Mit Grabenwurm schlägt die Band einen leicht anderen Weg ein. Weniger brachial als die vorherigen Stücke, aber dafür von treibendem Rhythmus geprägt. Die Vocals ähneln hier eher gesprochenen Passagen. Erneut gibt es Tempowechsel, harte Riffs verschmelzen mit prägnanten Basslinien und beinahe akustischen Gitarren.
Hypnotische Gitarren, Blastbeats und eine beeindruckende stimmliche Bandbreite
Totenvolk zeigt VERHEERER von ihrer Black-Metal-Seite. Hallgetränkte Gitarren verweben sich in einem hypnotischen Dialog, während eine wuchtige Rhythmussektion aus Blastbeats und markanten Bassnoten das Fundament bildet. Ständige Tempowechsel und abrupte Breaks verleihen dem Song eine besonders raue Kante. Der Gesang reicht von schrillen Schreien bis hin zu tiefem Grollen und demonstriert die Vielseitigkeit des Frontmanns.
Lungs beginnt mit treibenden Drums und ist ein minimalistischer gehaltener Track, der den Fokus klar auf den Gesang legt. Daran knüpft Stahlgrab an, das die finstere, erdrückende Atmosphäre weiterführt. Ein langsameres Stück mit düsteren, fast chaotischen Vocals, reduzierten Riffs und einer obsessiv-repetitiven Leadgitarre.
Ein vielschichtiges Finale mit düsterer Atmosphäre
Mit Kriegstreiber findet das Album seinen Abschluss – und das mit dem längsten Stück der Platte. Über zehn Minuten entfaltet sich eine komplexe Komposition, die mit einer unheilvollen, kurz angespielten Klavierpassage beginnt. Sämtliche Bandmitglieder tragen auf unterschiedliche Weise zum Gesang bei und sorgen so für zusätzliche Vielseitigkeit. Auch die Gitarren variieren in Klang und Tonalität, während Tempoänderungen das Stück noch unberechenbarer machen. Eine bedrückende, von Trauer durchzogene Atmosphäre durchzieht das gesamte Lied, bis sich im Refrain überraschend ein fast hoffnungsvoller Unterton einschleicht. Der abschließende Klavierpart, begleitet von einem tief emotionalen Gedicht, hinterlässt schließlich einen unerwarteten Funken Zuversicht für die Menschheit. Ein definitives Highlight des Albums.
Eine raue Produktion, die den düsteren Charakter des Albums verstärkt
Die rohe, ungeschliffene Produktion von Urgewalt verankert es fest im Black-Metal-Kosmos. Der Klang ist absichtlich kantig und unpoliert: Die Drums klingen stellenweise fast brüchig, die Rhythmusgitarre geht im Mix nicht immer klar hervor, und der gesamte Sound trägt eine ausgeprägte Lo-Fi-Ästhetik. Man könnte sich fragen, ob eine klarere Produktion das Album zugänglicher gemacht hätte, doch gerade die raue, schroffe Klanglandschaft unterstreicht die künstlerische Intention der Band.
Lyrisch und thematisch setzt sich das Album intensiv mit der menschlichen Natur auseinander, insbesondere mit Selbstzerstörung und den Schrecken des Krieges. Die Songs zeichnen ein düsteres Bild unserer Existenz, geprägt von Zweifel, Leid und dunklen Emotionen. Urgewalt entstand unter der Prämisse, dass die Menschheit eine unaufhaltsame Neigung zur Selbstzerstörung besitzt – eine Entwicklung, die im Wahnsinn des Ersten Weltkriegs ihren grausamsten Ausdruck fand.
Ein wuchtiges, unkonventionelles Black/Death-Metal-Werk
Zwar gibt es auf Urgewalt auch melodische Momente, doch dominieren überwiegend erdrückende Akkorde und eine düstere, bedrängende Atmosphäre. Elemente aus Heavy und Death Metal tauchen immer wieder auf, doch der Black-Metal-Ansatz bleibt das Rückgrat des Albums. Ob rasend schnell, zermalmend langsam oder hymnisch-triumphal – die Band agiert stets mit unbändiger Intensität. Gezielte, stimmungsvolle Details verstärken die emotionale Wucht der Songs zusätzlich.
Das Album bietet eine unorthodoxe Mischung aus Black und Death Metal. Nicht immer eingängig, aber stets verstörend und fordernd. VERHEERER erschaffen eine apokalyptische Atmosphäre, geprägt von düsteren Harmonien und einer permanenten Unruhe – genau das, was die Band offenbar beabsichtigt hat.
Fazit: VERHEERER vereinen Black und Death Metal zu einer verstörenden Mischung, die durch düstere Harmonien eine apokalyptische Atmosphäre erschafft.
Tracklist
01. Intro
02. Urgewalt
03. Hail Mary
04. Grabenwurm
05. Totenvolk
06. Lungs
07. Stahlgrab
08. Arsonist
09. Kriegstreiber
Besetzung
MYR – Bass, Keys
KRZ – Drums
SMN – Guitars
BST – Vocals