BEHEMOTH 04.04.25. Gasometer Wien

The Unholy Trinity Tour 2025

BEHEMOTH, SATYRICON, ROTTING CHRIST

04.04.25. Gasometer Wien Live Review

The Unholy Trinity Tour 2025

Ein Konzert wie ein unheiliges Ritual – eine Nacht, drei Wege in die Hölle.

Wer am 4. April in Wien im Gasometer anwesend war, wird es bestätigen: Es war mehr als nur ein Konzert. Es war ein Ritual. Ein Abstieg in die Abgründe von Black und Death Metal, inszeniert als theatralische Offenbarung, untermalt von Feuer, Licht, Rauch und brennender Leidenschaft. Drei Bands – drei unterschiedliche Zugänge zur Dunkelheit – und doch vereint durch Atmosphäre, Wucht und eine nahezu spirituelle Intensität.

BEHEMOTH 05

Schon der Name des Abends versprach Großes: Rotting Christ, Satyricon und Behemoth – drei Genre-Giganten, die jeweils für eine ganz eigene Ausprägung von Extrem-Metal stehen. Von der liturgischen Finsternis der Griechen über die frostige Arroganz norwegischer Aristokraten bis hin zur apokalyptischen Bühnenshow der polnischen Höllenfürsten – es war alles da. Ein musikalischer Exorzismus in mehreren Akten.

ROTTING CHRIST

Aus einem dichten Nebel erklangen die ersten Akkorde von „Χ Ξ Σ (666)“, und das Spektakel von ROTTING CHRIST nahm seinen Lauf. Die legendäre griechische Band war nicht nur ein einfacher Opener der „Unholy Trilogy“; sie waren weit mehr als das. Die Halle war von Beginn an bis auf den letzten Platz gefüllt – kein übliches Szenario, bei dem oft erst zur Hauptband die Menge vollständig versammelt ist.

ROTTING CHRIST 01

Als Pioniere des griechischen Black Metals wurden ROTTING CHRIST 1987 von den Brüdern Sakis (Gesang, Gitarre) und Themis Tolis (Schlagzeug) gegründet. Mit unbeugsamem Willen trotzten sie allen Widerständen und formten die Band zu einer respektierten Größe in der Welt des extremen Metals. Ihre Musik verbindet alte, heidnische, rituelle Klänge aus dem Mittelmeerraum mit charakteristischen Black-Metal-Riffs, stets melodisch komponiert und auf höchstem technischen Niveau dargeboten. Sakis Tolis‚ akribische Liebe zum Detail ist bekannt und verleiht den Alben der Band ihren unverwechselbaren Klang. 

ROTTING CHRIST 02Wer sie bereits live erlebt hat, weiß um ihre beeindruckende Bühnenpräsenz. Ihre Studioaufnahmen entfalten sich auf der Bühne zu einer dynamischen und energiegeladenen Show. Die Musik wirkt live noch wuchtiger und eindringlicher als auf den Alben. Die scheinbar einfachen Akkorde, oft inspiriert von traditioneller Volksmusik ihrer Heimat, finden stets Resonanz beim Publikum. 

Einige Songs wurden von kurzen, rituellen (blasphemischen?) gesprochenen Passagen eingeleitet oder beendet, begleitet von liturgischen Gesten, die dem Auftritt eine mystische Aura verliehen.

Sowohl ältere Stücke als auch neuere Werke wie „Like Father, Like Son“ oder „Fire, God and Fear“ fanden ihren Platz im Set und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. 

Gegen Ende des Auftritts entfachte „Elthe Kyrie“ wahre Begeisterungsstürme im Publikum. Die Circle Pits waren bereits in vollem Gange, doch nun erreichte die Intensität einen neuen Höhepunkt. „Societas Satanas“ – ursprünglich von Sakis für sein Nebenprojekt Thou Art Lord geschrieben, aber durch ROTTING CHRIST bekannt gemacht – steigerte die Energie weiter. Ein perfekter Song für Live-Auftritte. 

Mit „Grandis Spiritus Diavolos“, ihrem opus magnum, schlossen sie das epische, wenn auch leider zu kurze, Set ab und versetzten die Menge in eine beinahe tranceartige, satanische Stimmung. Nicht nur tobende Circle Pits, sondern auch Crowdsurfing zeugten davon, dass das Publikum nun bestens auf die folgenden Acts eingestimmt war. Die Tolis-Brüder präsentierten sich in beeindruckender Form; Sakis sprühte vor Energie und teilte seine Begeisterung großzügig mit den Anwesenden.

SATYRICON

Als Nächstes betraten SATYRICON die Bühne – eine legendäre Band und zugleich Mitbegründer des norwegischen Black Metals. Von Beginn an beschritten sie musikalisch eigene Pfade und unterschieden sich mit ihrem unverwechselbaren Stil deutlich von ihren Landsleuten. Unerbittliches Drumming trifft hier auf eine durchdachte, beinahe intellektuelle Herangehensweise an extreme Musik – live ergänzt um eine mitreißende, charismatische Bühnenperformance.

SATYRICON 01

Gegründet 1991 in Oslo, besteht SATYRICON im Kern aus Satyr (Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard – live allerdings ausschließlich als Sänger, mit einer Ausnahme gegen Ende des Sets) und dem legendären Schlagzeuger Frost. Beide Musiker sind feste Größen der Szene und haben im Laufe ihrer Karrieren in zahlreichen namhaften Bands gespielt. Auf der Bühne werden sie von weiteren Musikern unterstützt – ein Zeichen für die enge Verbundenheit innerhalb der norwegischen Szene.

Schon mit den ersten Takten zog die Band das Publikum in ihren Bann. Satyrs eindrucksvoller Gesang – seine markante Stimme mit eisiger Klarheit – thront förmlich über dem Sound, während Frosts infernalisches Schlagzeugspiel das Fundament legt. Mal schleppend und schwer, dann wieder aggressiv und treibend, zwingen die Riffs förmlich zum Headbangen. Die Atmosphäre ist dicht, beinahe greifbar – und von Anfang an ist klar: diese Band hat das Publikum fest im Griff.

Der Fokus des Sets lag auf älteren Songs – genau das, was sich viele erhofft hatten. SATYRICONs Frühwerke genießen bis heute Kultstatus und gelten als stilprägend für ein ganzes Genre. Satyr dominiert die Bühne mit souveräner Präsenz, während Frosts abgründiges Drumming einmal mehr unter Beweis stellt, warum sein Name in einem Atemzug mit den ganz Großen genannt wird. Bereits zuvor brillierte Themis Tolis bei Rotting Christ – und mit Inferno steht später noch der Dritte im Bunde der Schlagzeuggiganten auf dem Programm. Doch in puncto Ausdruck und Wucht ist Frost ganz in seinem Element.

SATYRICON 02

Gemeinsam mit der Band sang das Publikum bereits beim ersten Refrain von „To Your Brethren in the Dark“ – ein Gänsehautmoment. Danach führte uns SATYRICON durch ihre größten Klassiker. Als Satyr gegen Ende auch zur Gitarre griff, explodierte die Stimmung noch einmal spürbar. Zwar klang der Sound hier und da etwas hermetisch, aber die Energie und Intensität eroberten die Menge mühelos.

Fuel for Hatred“ bildete einen der Höhepunkte – eine erwartete Eskalation. Doch der wahre Ausbruch kam mit „Mother North“: Die Halle kochte, das Publikum tobte und sang Zeile für Zeile mit. Den krönenden Abschluss bildete „K.I.N.G.“ – ein würdiges Finale für ein intensives, düsteres und zutiefst elektrisierendes Set.

BEHEMOTH

Nun ist die Hölle entfesselt: BEHEMOTH betreten die Bühne. Nach den epischen Auftritten der vorherigen Bands kann es jetzt nur noch intensiver werden. Bekannt für ihre beeindruckenden und infernalen Bühnenshows, gehören BEHEMOTH zu den Meistern des Spektakels, des Theaters, der Lichter und des Feuers. Unsere Erwartungen an die heutige Show sind dementsprechend hoch.

BEHEMOTH 03Die legendären polnischen Meister der Satanischen Künste zählen zu den Pionieren der polnischen Black-Metal-Szene und haben sich auch international einen bedeutenden Namen gemacht. Ihre Musik, ursprünglich vom Folk und Pagan inspiriertem Black Metal geprägt, hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und tendiert nun mehr zum Death Metal mit einem Hauch von Black Metal. Nergal ist die zentrale Figur der Band – der umstrittene Sänger und Gitarrist. Inferno sorgt seit fast Beginn der Bandgeschichte für das anspruchsvolle Schlagzeugspiel, unterstützt von Orion am Bass. Live wird die zweite Gitarre von Seth gespielt, der zwar kein offizielles Mitglied der Band ist, aber seit über 20 Jahren live mitwirkt.

BEHEMOTH 02Was kann man über die Bühnenpräsenz von BEHEMOTH sagen? Nicht viele Bands im Metal (oder genauer gesagt keine außer BEHEMOTH und Rammstein) inszenieren eine derart beeindruckende Show. Die Lichter sind perfekt abgestimmt und äußerst dynamisch, Feuer ist allgegenwärtig auf der Bühne. Blasphemische Symbole sind überall zu sehen, und religiöse Symbole werden in Flammen gesetzt, um ihren satanischen Glauben zu unterstreichen. 

Die Show beginnt mit „The Shadow Elite“, ihrer neuesten Single vom kommenden Album „The Shit Ov God“. Als erstes Konzert der Tour haben wir in Wien das Privileg, diesen Song zum ersten Mal live zu erleben. Klassiker wie „Ora Pro Nobis Lucifer“ und „Demigod“ entfesseln Chaos und Wahnsinn – sowohl auf der Bühne mit der Lichtshow und viel Feuer als auch im Publikum. Circle Pits entstehen, Crowdsurfing erreicht ein neues Level, die gesamte Konzerthalle singt und headbangt gemeinsam. 

The Shit Ov God“, der Titeltrack des kommenden Albums, feiert ebenfalls seine Live-Premiere in der Gasometer-Halle und bietet Raum für rituelle Verse und Gesten, begleitet von noch mehr Feuer und einer starken Publikumsreaktion. Ein sehr gut aufgenommener Song bei seinem ersten Live-Auftritt. „Conquer All“ mit seinen unerbittlichen und eingängigen Riffs bringt neue Energie. Ein sehr komplexes und hervorragend gespieltes Gitarrensolo von Nergal zeigt erneut seine technischen Fähigkeiten. Der Wahnsinn geht weiter. Das Theater und die Show aus Licht und Feuer sind unvergesslich.

Blow Your Trumpets Gabriel“ und „Ov Fire and the Void“, klassische Live-Songs von Nergal und Co., halten die Energie hoch und die Band hat die volle Kontrolle über ihr Set und das Publikum, das mit Applaus, erhobenen Hörnern und gemeinsamem Gesang reagiert.

BEHEMOTH N 01Christgrinding Avenue“, ein älterer, technisch anspruchsvoller Song mit hohem Tempo, folgt. Nergal, ganz er selbst, widmet diesen Song den Demonstranten vor dem Gebäude (eine kleine Gruppe von Menschen, die in der Nähe des Gasometer-Gebäudes gegen „Satanismus“ protestiert). Dann beginnt „Bartzabel“ mit seinen blasphemischen und sakrilegischen Texten und bringt die Zuhörer weiter in Ekstase. Ein Song, der live sehr gut funktioniert, auch wenn er ein etwas langsameres Tempo hat, die Atmosphäre ist bei diesem Song immer auf hohem Niveau.

BEHEMOTH N 03Der chorale Gesang „Solve“ dient als Intro für „Wolves ov Siberia“, einen weiteren neueren Song, der sich mit seinen dynamischen Riffs und growlenden Vocals leicht in die BEHEMOTH-Sets einfügt.

Wieder sehr gut aufgenommen werden ältere Songs wie „Christians to the Lions“ oder ihr erster komponierter Song „Cursed Angel of Doom“, die dem bereits ekstatischen Publikum einen Hauch von Black Metal verleihen. Diese alten Songs kommen beim Publikum immer gut an. In derselben Richtung bringt „Chant for Eschaton 2000“ die Show (fast) zum Ende.

Aber natürlich kommen sie für die Zugabe zurück und spielen ihr (vom Publikum im Saal lang erwartetes) Opus „O Father O Satan O Sun!“. Keine Worte können den Moment und die Reaktion des Publikums beschreiben. Das gesamte Publikum singt die berüchtigten satanischen Verse mit. Eine erstaunliche Show, um einen insgesamt erstaunlichen Abend zu beenden.

BEHEMOTH 04

Ob es nun ROTTING CHRIST mit ihrer liturgischen Dunkelheit, SATYRICON mit ihrer aristokratischen Kälte oder BEHEMOTH mit ihrer theatralischen Apokalypse waren – jeder hat an diesem unvergesslichen Abend etwas Besonderes gefunden. Mehr als nur ein Konzert, eine dramatische Inszenierung ebenso dramatischer Musik, ein Theater, eine unvergessliche Erfahrung.

Setlist

01. The Shadow Elite
02. Ora Pro Nobis Lucifer
03. Demigod
04. The Shit ov God
05. Conquer All
06. Blow Your Trumpets Gabriel
07. Ov Fire and the Void
08. Christgrinding Avenue
09. Bartzabel
10. Wolves ov Siberia
11. Christians to the Lions
12. Cursed Angel of Doom
13. Chant for Eschaton 2000

Encore:
14. O Father O Satan O Sun!

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